Spuren der Zeitgeschichte in und um Rottweil


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Flak-Standort Zimmern ob Rottweil


In Zimmern ob Rottweil befand sich sowohl eine Flak-Kaserne als auch ein großes Flak-Beständelager. Während des Krieges war dort auch ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet.

Kapitel:

Die Flak auf Ebnet oder die Stettener Höhe
Fotos aus dem Privatarchiv Paul Angerer
Fotos eBay
Weitere Informationen
Fotos vom Kasernengelände
Kläranlage


Mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Zimmern kann ich hier einen Auszug aus der Ortschronik von Sylvester Hermann von Au, Zimmern ob Rottweil in historischen Bildern, aus dem Jahre 1985 präsentieren (S. 296-298):

Hinweis: Die Daten sind teilweise mit Vorsicht zu genießen, so waren z.B. die Mauern des Beständelagers keinesfalls panzerfest und 3m stark!

~~~~~~~~~ Auszugsanfang (Kürzungen durch den Homepage-Betreiber)
~~~~~~~~~

Die Flak auf Ebnet oder die Stettener Höhe

Mit Soldaten hatte unser Dorf immer zu tun. Ganz nahe und auf unserer Markung waren sie aber seit dem Jahre 1914. Das Fliegerabwehrkommando baute für die Pulverfabrik eine Feuerstellung auf dem Gewann »Gehren« hinter der »Sonne« ein. Die Fabrik sollte gegen feindliche Flieger von der Höhe aus geschützt werden. Bald wurde sie aber noch höher auf das Gewann Ebnet verlegt, wo man sich besser ausweiten und nach allen vier Himmelsrichtungen freie Aussicht hatte.

Auf die Flur Lakkengrund wurde ein Scheinwerfer eingebaut. Im Juni 1915 war der Zug 71 - wie er sich nannte - dieser Abwehrbatterie in Stärke von 55 Mann fest in unserem Dorf einquartiert. [...] Mitte Juni des Jahres 1915 zogen sie in die Wohnbaracken auf Ebnet oder die Stettener Höhe um.

Seit dieser Zeit wurde an dem Lager immer gebaut, und die Hallen links der Flözlinger Straße haben panzerfeste und 3 Meter starke Außenwände. Diese Hallen wurden im Jahre 1938, also im Jahr vor dem Zweiten Weltkrieg fertig. Die Hallen waren bis 1985 immer Fahrzeughallen. Im Jahre 1943 waren bis zu 4000 Soldaten auf Ebnet. Es wurden schon große Pläne geschmiedet, und hätte das Dritte Reich seine Ziele erreicht, wäre Zimmern eine Garnisonsstadt und mit den Eschachtalgemeinden längst überbaut.

Auf der Stettener Höhe war reges Leben. Überall wurde marschiert und exerziert, geschrien und gesungen, dazwischen Panzerraupengequitsche. [… ]
Das Lager war aber auch eine Gefahr für unser Dorf. Wurde es doch mehrmals von Jagdbombern angegriffen, und am 16. März 1945 brannte das Lager nach einem solchen Angriff lichterloh.
Am 20. April 1945 wurde es im Eiltempo verlassen, und die Bevölkerung holte sich, was es noch zu holen gab. Alles lag herum, Waffen Munition, Autos und Kräder ohne Benzin, Büromöbel und Flakstiefel sowie Klamotten. [...]

[...] Marokkaner und Franzosen zogen nun in die »Stettener Höhe« auf Ebnet ein. Langsam normalisierte sich alles etwas und mancher Zimmerner arbeitete für die Besatzungsmacht.

Die Holzbaracken wurden alle abgebrochen und es zeugen nur noch die Massivhallen links der Straße von ehemaliger Stärke und Macht. Heute wächst Gras auf blutdurchtränkter Erde, und wo einst zackige Marschmusik erdröhnte und Soldatenstiefel im Gleichschritt schlugen, singt die Lerche ihr Lied. [...]

Nun sollen im Monat August 1985 auch noch die letzten Franzosen ausgezogen sein und niemand weiß zum heutigen Zeitpunkt, was aus der Ebnet wird. Sie gehört der Bundesvermögensstelle. Vielleicht gibt es einmal Arbeitsplätze und Gewerbesteuer durch einen großen Betrieb, was ganz sicher für Zimmern und die ganze Region besser wäre als ein Militärlager.

 

 
~~~~~~~~~ Auszugsende ~~~~~~~~~

Interessant ist auch noch folgender Abschnitt aus der Chronik (S. 22-23, Kürzungen und  Hervorhebungen
durch den Homepage-Betreiber):
~~~~~~~~ Auszugsanfang ~~~~~~~~
"Die Spitalhöfe fielen am 20. April 1945 in Schutt und Asche. An diesem unseligen Tage mußte das friedliche Dorf Zimmern o.R. die Schrecken eines Bombenkrieges erleben. Schon am Vortage hatte der Wehrmachtsbericht gemeldet, daß französische Panzer Freudenstadt und Horb erreicht hätten. Die ganze Bevölkerung befand sich in sorgenvoller Spannung. Alle besonnenen Bürger bewegte die bange Frage: Was wird der heutige Tag bringen? Tag für Tag gab es Fliegeralarm.  Täglich mit pünktlicher Regelmäßigkeit kamen Jagdbomber, meist acht an der Zahl, die die ganze Gegend absuchten. Am 9. Februar 1945, als der Bahnhof Rottweil angegriffen wurde, fiel eine Bombe unterhalb Zimmerns im Gewann Kälberwasen, die alle Bewohner aufs Tiefste erschreckte [...]. An diesem Tage waren auch Bomben in Dunningen, Stetten, Lackendorf und Horgen gefallen.  Am 26. März wurde die Stellung auf der Stettener Höhe angegriffen.

Hier in Zimmern lebte man jedoch immer noch in der Hoffnung, da keine lohnenden Bombenobjekte vorhanden waren, könnte auch nichts weiter geschehen. Doch der letzte Tag vor dem Einmarsch brachte das große Unglück für die alten Spitalhöfe und das ganze Dorf. Kurz vor 12 Uhr am 20. April 1945 erschienen von Südwesten her mehrere »Jabos« (Jagdbomber). Schon bevor sie das Dorf anflogen, ließen sie ihre Verderben bringende Last bei »Sonnenwirts Wäldchen« fallen. Zum guten Glück zündeten die Bomben nicht. Ebenso wie die vielen Brandbomben, die im »Kreuzegart« gefallen waren. Ganz niedrig und langsam überflogen die »Jabos« dann unser Dorf. Vor dem Pfarrhaus standen mehrere Flak-Lkw, da auf der Stettener Höhe emsige und ängstliche Fluchtvorbereitungen getroffen wurden. Die Jabos warfen ihre furchtbaren Bomben auf den Kern des Ortes (wollten sie die Militär-Lkw's treffen?) ganz in der Nähe der Kirche ab. Im Nu standen die Spitalhöfe [...] in Flammen, auf deren Dächer die Brandbomben wie die Hagelkörper niederprasselten."

~~~~~~~~~ Auszugsende ~~~~~~~~~


Fotos aus dem Privatarchiv Paul Angerer

Vor einiger Zeit erhielt ich von einem Geschichtsinteressierten aus Österreich zwei großartige Fotos, welche Soldaten aus der Flakkaserne Zimmern zeigen, beim Rottweiler Bahnhof und  innerhalb der Kaserne:

Soldaten der Flakkaserne Zimmern ob Rottweil beim Rottweiler Bahnhof
Dieses Foto finde ich absolut großartig! Es zeigt höchstwahrscheinlich Soldaten aus der Flakkaserne beim Rottweiler Bahnhof, vermutlich kurz vor ihrer Verlegung in Richtung Balkan. Wunderbar ist im Hintergrund die Silhouette der Rottweiler Innenstadt zu sehen.

Bild aus der Flakkaserne Zimmern - auf dem Schild am linken Rand steht: "Flözlingen 3km"
Bild aus der Flakkaserne Zimmern, bzw. aus der unmittelbaren Umgebung - auf dem Schild am linken Rand steht (u.a.): "Flözlingen 3 km". Das Bild wurde laut einer Zuschrift dort aufgenommen, wo sich heute der Kreisverkehr befindet. Die Straße, auf der die Soldaten marschieren, sollte nach Stetten führen, das Gebäude rechts stellt wahrscheinlich das "Kasino" dar.

Fotos eBay

Update (01.11.2014)
Bei eBay habe ich seit längerer Zeit eine Dauer-Suchanfrage mit den Begriffen "flak rottweil" laufen. Und tatsächlich hat es sich gelohnt: als ich gerade mein E-Mail-Postfach prüfte, hatte ich eine Mail mit 20 Treffer zu meinen Suchbegrifen! Die "Auktionen" enthalten allesamt hochinteressante Fotos aus Rottweil sowie vom Zimmerner Kasernengelände!

Update (12.11.2014)
Einige der Fotos habe ich wie oben erwähnt erworben und kann sie nun präsentieren.

Rottweil, Friedrichsplatz
Vereidigung, Rottweil, Friedrichsplatz   
Flak vor der Predigerkirche, Rottweil, Friedrichsplatz
Vereidigung, Rottweil, Friedrichsplatz   
Flak vor der Predigerkirche, Rottweil, Friedrichsplatz

Kaserne in Zimmern


Weitere Informationen

Leider finden sich auf der Stettener Höhe heute kaum noch Überreste der Kaserne oder des Beständelagers.
Der Wunsch des Herrn von Au hat sich tatsächlich erfüllt, so befindet sich heute auf dem Gebiet des Beständelagers das Gewerbegebiet "Inkom".
Über das Kasernengeläde ist wortwörtlich (reichlich) Gras gewachsen und es ist kaum noch etwas von dem Gelände erkennbar, allerdings sind auf dem Luftbild noch deutlich die alten Wege erkennbar (siehe unten).

Eine interessante und witzige Anekdote über ein Überbleibsel aus der Kaserne gibt es hier nachzulesen:
Heike von Au und eine Vorlegeplatte mit (un)zweifelhafter Vergangenheit

Ich habe basierend auf einem Luftbild aus Google-Earth aus dem Jahr 2000 versucht, die Standorte der einzelnen, mir bekannten Gebäude einzuzeichnen:

Die Nato-Halle stammt - wie der Name schon sagt - aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und wurde wohl von den Kanadiern um 1985 errichtet.

Hier noch ein alter Kartenauszug; ziemlich genau in der Mitte erkennt man die beiden Gebäude des Beständelagers, die Kfz-Hallen und das einzelne, unbekannte Gebäude:


Fotos vom Kasernengelände

(Dezember 2012)

Nachdem ich aufgrund des NRWZ-Artikels weitere Informationen über noch vorhandene Bauten erhalten habe, habe ich doch noch einige Reste der Kaserne auf dem Gelände entdeckt:
Bunker
Auf dem Gelände befinden sich angeblich zwei Bunker. Ich habe bei meinem Ausflug allerdings nur obigen gefunden und musste die Suche aufgrund des schlechten Wetters abbrechen.  Er liegt direkt an der Straße nach Stetten und ist eigentlich "unübersehbar", wie ich ihn bei meinem ersten Besuch des Geländes übersehen konnte ist mir im Nachhinen ein Rätsel (auch wenn damals eine Schafherde dort geweidet hat).

Bunker
Der Eingang ist zwar verschlossen, allerdings ist das Blech oben anscheinend aufgebogen worden, sodass ich die Kamera hineinhalten konnte...

Bunker, Innenansicht
...daher hier die Innenansicht. Wie es aussieht, ist das Bauwerk komplett gemauert. Vermutlich diente es daher nur als Lagerraum o.ä., da es für Luftschutzzwecke ungeeignet gewesen sein dürfte.

Bunker, Seitenansicht
Seitenansicht

Bunker, Rückseite mit Fenster
Rückseite mit Fenster

Mauerreste
Hinter dem Bunker befinden sich noch einige Mauerreste

Löschwasserbecken?
Auf dem Gelände befindet sich noch eine Art Wasserbecken, vermutlich ein Löschwasserbecken. Ein paar "Spaßvögel" haben zwei Einkaufswägen sowie allerlei Unrat hinterlassen.

Löschwasserbecken?
Löschwasserbecken von der Gegenseite

Unbekannt
Kleiner Schacht (oder Pfeilerfundament?) neben dem Wasserbecken

Unbekannt
Ein ähnliches Objekt findet sich auch an anderer Stelle auf dem Gelände

Fundamentplatten?
Zwei große Betonplatten, vermutlich Fundamente

Wege
Die Wege (?) sind tief eingeschnitten, was beim heutigen Tauwetter besonders deutlich wurde

Kläranlage

Erhalten hat sich erstaunlicherweise auch ein äußerst interessantes Relikt, nämlich die alte Kläranlage der Flak-Kaserne.
Es handelt sich hierbei um einen sehr seltenen, heute wohl nicht mehr gebauten, Typ einer "Verrieselungskläranlage". Bei dieser wird das Schmutzwasser nach einer Vorklärung über ein Rondell aus Lavagestein verrieselt. Rund um das Rondell wurde das Wasser gesammelt und über einen offenen Kanal (wohl) in die Eschach geleitet.

Hier einige Bilder der Anlage:
Vorklärbecken
Vorklärbecken

Hier nun Bilder des eigentlichen Verrieselungsrondells:
Verrieselungsrondell

Verrieselungsrondell - Sammelrinne

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